Ein Gedanke zum Weltfrauentag.
Es gibt ja immer wieder das Argument, ME/CFS müsse, weil psychosomatische Erkrankungen bei Frauen häufiger sind, ebenfalls psychosomatisch sein.
Tatsächlich diskutieren Studien diese Tatsache immer wieder, zB in dieser in The Lancet Psychiatry, wo die Prävalenz psychosomatischer Erkrankungen bei Frauen 7,7% gegenüber 2,8% bei Männern war.
Was aber, wenn das nur so wäre, weil posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS), ME/CFS, Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) und hypermobiles Ehlers Danlos Syndrom (hEDS) selten diagnostiziert bzw. häufig primär fehldiagnostiziert werden?
Das sind alles Entitäten, die bei Frauen teilweise deutlich häufiger sind – und wo es auch Studien zum Diagnostic Delay und den häufigen primär eben psychiatrischen/psychosomatischen Diagnosen gibt.
-) zB diese Studie zu POTS, die einen bei Frauen längeren Zeitraum zur Diagnosestellung findet, mit häufigen psychiatrischen Fehldiagnosen, bevor wirklich POTS gefunden wurde.
-) zB diese Studie zu hEDS mit langer Dauer zur Diagnose (~10 Jahre!) und einer größeren Wahrscheinlichkeit, dass ein Antidepressivum verordnet als dass Hypermobilität evaluiert wurde.
-) zB diese Studie zu hEDS, mit einer immens hohen Quote an psychiatirischen Fehldiagnosen und unterirdischen Zuordungen wie „attention seeking“ und „all in your head“.
-) zB diese Studie zu ME/CFS, wo es gerade bei Frauen oft das Erleben ist, dass ihre Symptome als psychisch eingeordnet werden.
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Das ist nicht trivial – wegen grundlegenden Unterschieden in der Behandlung. Aber auch, weil bei ME/CFS die verzögerte Diagnose das Outcome verschlechtert.
Diagnosefehler machen natürlich nicht den gesamten Unterschied bei der Prävalenz psychosomatischer Erkrankungen aus.
Es wäre aber trotzdem spannend, Prävalenzraten psychosomatischer Erkrankungen im Kontext korrekter Diagnostik zu untersuchen.
