Coronavirus und neurologische Erkrankungen

Coronavirus und neurologische Erkrankungen

Coronavirus und neurologische Erkrankungen

Aufgrund der aktuellen Pandemie mit dem neuartigen Coronavirus herrscht aus verständlichen Gründen Verunsicherung. Eine wichtige Frage ist auch der Zusammenhang Coronavirus und neurologische Erkrankungen.

Es ist wichtig hervorzuheben, dass eine Infektion für die allermeisten Menschen keine wesentlichen Probleme verursacht. Die aktuell getroffenen Maßnahmen dienen vor allem dazu, Menschen mit einem höheren Risiko für Komplikationen zu schützen. Natürlich müssen auch die Spitäler vor einer Überlastung mit schwer Betroffenen bewahrt werden.

In Italien beobachtet man ein vermehrtes Auftreten von neurologischen Problemen. Es wurde auch ein Fall von akuter Hirnentzündung beschrieben, der mit einer COVID19-Infektion in Zusammenhang steht.

Im Allgemeinen wird aber davon ausgegangen, dass eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nur in schweren Fällen zu neurologischen Komplikationen führt.

Vermutlich ist der Grund dafür, dass es durch Coronaviren zu einer ausgeprägten Entzündungsreaktion im Körper kommen kann. Diese kann auch die Gefäße betreffen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ein Befall des Hirnstamms in schweren Fällen zum Atemversagen beiträgt. Dafür gibt es aber noch keine eindeutigen Belege.


Warum ist Coronavirus und neurologische Erkrankungen relevant?

Trotzdem hat das Thema Coronavirus und neurologische Erkrankungen eine besondere Relevanz.

Viele Betroffene fallen nämlich alleine durch ihr Alter in die Gruppe derjenigen, die durch eine Infektion ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Zusätzlich sind beispielsweise bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, sehr oft auch jene Risikofaktoren vorhanden, die einen schweren COVID19-Verlauf wahrscheinlicher machen. Dazu zählen hoher Blutdruck, Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes.

Wichtig ist es, eine aktuelle Liste an momentan notwendigen Medikamenten sowie eine Auflistung der vorhandenen Vorerkrankungen bereit zu haben, um im Notfall die Arbeit des medizinischen Personals und die Versorgung zu erleichtern.


Erhöhtes Riskio bei Coronavirus und eingeschränkter Mobilität

Menschen, die an einer neurologischen Erkrankung leiden, sind in manchen Fällen auch in ihrer Mobilität beeinträchtigt. Besonders bei jenen, die ihre Zeit hauptsächlich in Bett oder Rollstuhl verbringen, besteht aufgrund der dadurch schlechteren Belüftung der Lunge ein höheres Risiko für Atemwegsinfektionen.

Zusätzlich kann bei manchen neuromuskulären Erkrankungen, beispielsweise der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) oder Muskelerkrankungen, auch die Atemmuskulatur geschwächt sein. Daher haben auch diese Menschen ein höheres Risiko.


Wie kann man sich schützen?

Wesentlich ist das Verhindern einer Infektion. Dazu ist es sinnvoll, Sozialkontakte zu reduzieren. Weiters sollte Kontakt mit Menschen mit Infektzeichen vermieden werden. Darüber hinaus sollte auf regelmäßiges Händewaschen geachtet werden.

Häufig sind regelmäßige medizinische Routinekontrollen geplant. Deswegen muss entschieden werden, ob diese zum aktuellen Zeitpunkt wirklich notwendig sind. Idealerweise kann eine Kontrolle auch per Telemedzin erfolgen. Dazu hat die österreichische Gesundheitskasse die Möglichkeit geschaffen.


Multiple Sklerose

Bei Menschen, die an einer Multiplen Sklerose erkrankt sind, stellt sich auch die Frage, ob die laufende Therapie fortgesetzt werden kann. Einige verwendete Medikamente können die Funktion des Immunsystems beeinträchtigen.

Prinzipiell gilt, dass eine Therapie weiter geführt werden sollte, da es ansonsten zu Schüben kommen kann. Die meisten Medikamente, wie Copaxone oder Interferone, sind unbedenklich.

Jedoch sollten Menschen, die Fingolimod/Gilenya, Siponimod/Mayzent, Cladribin/Mavenclad, Rituximab, Ocrelizumab/Ocrevus, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron und Cyclophosphamid verwenden, besondere Vorsicht zur Infektvermeidung anwenden.

Zuletzt kann Cortison zur Behandlung eines akuten Schubes die Infektgefahr erhöhen.

Aktuelle Ratschläge der Österreichischen Multiplen Sklerose Gesellschaft finden Sie hier.


Chronic Fatigue Syndrome

Da CFS prinzipiell ein schlecht untersuchtes Gebiet ist, kann hier keine endgültige Antwort gegeben werden. Erstens berichten aber viele Betroffene, dass Infekte ihren Zustand zusätzlich, teilweise auch langfristig verschlechtern.

Zweitens besteht oft zumindest klinisch eine Infektanfälligkeit, in vielen Fällen auch ein konkreter Immundefekt.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Menschen mit CFS besonders Sorge tragen sollten, eine Infektion zu vermeiden.

Hier finden Sie dazu Informationen der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS.


Epilepsie

ERN EpiCARE hat eine Stellungnahme zu COVID19 und Epilepsie veröffentlicht.

Die wesentlichen Punkte:

Epilepsie erhöht nicht das Risiko einer Infektion.

Es gibt keinen Hinweis, dass das Coronavirus epileptische Anfälle auslösen kann.

Bei manchen Formen der Epilepsie kommt es bei Fieber zu Anfällen. Hier müssen im Falle einer Infektion entsprechende fiebersenkende Maßnahmen gesetzt werden.

Falls zusätzlich zur Epilepsie noch andere Risikofaktoren für einen schweren COVID19-Verlauf vorhanden sind oder wenn eine Einschränkung der Mobilität besteht, müssen Infektionen umso mehr vermieden werden.


Myasthenia gravis

Für die Myasthenia gravis gibt es sehr konkrete Empfehlungen der International MG/COVID-19 Working Group.

Laufende Therapien sollten unbedingt fortgesetzt werden. Mestinon erhöht das Risiko für eine Infektion nicht.

Bei Behandlungen, durch die das Immunsystem unterdrückt wird, sollte besonders auf Infektvermeidung geachtet werden.

Wenn eine Therapieänderung notwendig wird, muss der mögliche Nutzen gegen ein eventuell gesteigertes Infektionsrisiko abgewogen werden.


Neuromuskuläre Erkrankungen

Auch die World Muscle Society hat eine Anleitung für den Umgang mit COVID-19 bei neuromuskulären Erkrankungen.

Es gilt auch hier, dass alle Patient*innen mit entsprechenden Risikofaktoren und insbesondere einer eingeschränkten Mobilität oder Problemen mit der Atemmuskulatur besonders auf die Vermeidung einer Infektion achten sollten.

Physiotherapie sollte in der momentanen Situation vor allem bei Betroffenen mit hohem Risiko nicht stattfinden. Trotzdem ist die Empfehlung, bei den behandelnden Therapeut*innen Ratschläge zum eigenständigen Üben einzuholen.

Laufende Behandlungen, auch solche, die das Immunsystem beeinträchtigen oder für die ein Arztkontakt (Infusion) notwendig ist, sollten im Normalfall weiterlaufen. Besonders vor einem plötzlichen Absetzen von Cortison muss abgeraten werden.

Die notwendigen Medikamente und, falls erforderlich, auch die Möglichkeit einer Atemunterstützung sollten auch für einen längeren Zeitraum vorhanden sein.


Morbus Huntington

So wie viele neurologische Erkrankungen erhöht auch der Morbus Huntington nicht prinzipiell das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus.

Aber auch hier gilt es, dass Betroffenen, die in der Mobilität eingeschränkt sind, eine Infektion vermeiden sollen.

Die European Huntington Association hat auf ihrer Seite ein paar allgemeine Ratschläge.


Morbus Parkinson

Morbus Parkinson erhöht das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus nicht grundlegend.

Es sollten aber, auch aufgrund des oft höheren Lebensalters und der vielfach eingeschränkten Mobilität, Maßnahmen zur Infektvermeidung getroffen werden.

Falls eine Infektion auftritt, sollte bei Zustandsverschlechterung rasch ärztliche Hilfe eingeholt werden.

Nachdem bei Parkinson vor allem im Spätstadium oft eine Demenz vorhanden sein kann, gelten die im nächsten Abschnitt angeführten Punkte ebenfalls.


Demenz

Menschen mit Demenz sind von den aktuellen Einschränkungen durch COVID19 besonders betroffen.

Einerseits zählen sie durch ihr Alter zur Gruppe mit hohem Risiko.

Andererseits gibt es einige Aspekte der Erkrankung, die die momentane Situation besonders schwer machen.

Viele Betroffene leben in Pflegeeinrichtungen, wo ein Besuch durch Angehörige nicht möglich ist. Notwendige Arztbesuche sind oft nicht durchführbar. Durch die Krankheit bedingt ist auch das Verständnis für die momentanen Maßnahmen in vielen Fällen nicht vorhanden.

Die European Academy of Neurology hat auf ihrer Homepage einige Ratschläge parat, wie man die zur Zeit notwendigen Umstände besser bewältigen kann.

Wesentlich ist es, trotz aller Umstände einen möglichst geregelten Tagesablauf zu wahren. Bewegung ist wichtig und sollte vor allem im häuslichen Rahmen erfolgen. An Demenz erkrankte Menschen sollten weiterhin so gut wie möglich in Aktivitäten des täglichen Lebens eingebunden werden.

Regelmäßige Anrufe durch Angehörige sind ebenso sinnvoll wie das Bereitstellen von alten Fotos oder Liedern, um eine möglichst gewohnte Atmosphäre zu schaffen.

Für das Einhalten der notwendigen Hygiene ist in vielen Fällen auch eine regelmäßige Anleitung notwendig. Es muss auch beachtet werden, dass demenzkranke Menschen Infektionssymptome möglicherweise nicht korrekt kommunizieren können.


Wie wird die Coronavirus-Pandemie in meiner Ordination gehandhabt?

Beide Standorte sind in Übereinstimmung mit den geltenden Empfehlungen weiterhin geöffnet. Die Hygiene wird umso mehr eingehalten. Dies bedeutet, dass ich auf Händeschütteln verzichte. Händewaschen und regelmäßige Desinfektion sind ohnehin schon Standard. Beim Anamnesegespräch wird der Abstand von 1,5-2 Meter eingehalten.

Für meinen Ordinationsraum gibt es im Facharztzentrum Votivpark einen eigenen Wartebereich, sodass auch hier gewährleistet werden kann, dass nur minimaler oder gar kein Kontakt mit anderen Menschen notwendig ist.

Für das Verhindern einer Verbreitung des neuartigen Coronavirus sind Einschränkungen im Alltagsleben notwendig. Damit werden Risikogruppen vor schwerwiegenden Verläufen geschützt.


Verfügbarkeit meiner Ordination

Dennoch ist eine medizinische Versorgung auch abseits von COVID19 notwendig. Meine Ordination bleibt daher bis auf weiteres für Sie geöffnet – Montag 8-14 Uhr & Mittwoch 9-19 Uhr in 1090 Wien, jeden zweiten Donnerstag 14:30 bis 19:30 in 1180 Wien.

Ich würde alle Patient*innen mit bereits vereinbarten Terminen bitten, zu überdenken, ob diese aktuell wirklich notwendig sind. Eine Verschiebung ist natürlich möglich.

Auch Erstkonsultationen sind aktuell per Telemedizin gestattet. Ich biete dies schon längere Zeit an und habe eine entsprechende datensichere Videoleitung.

Telemedizin eignet sich besonders gut für all jene Fragestellungen, wo eine Geräte-basierte Untersuchung (Ultraschall, NLG) vor Ort nicht zwingend notwendig ist. Dazu gehören z.B. Kopfschmerzen und das Chronic Fatigue Syndrome.


Verkürzte und verbilligte Termine für die Dauer der Corona-Pandemie

Gerade neurologische Symptome können sehr verunsichern. Deswegen ist es wichtig, rasch eine Untersuchung zu bekommen.

Aufgrund der aktuellen COVID19-Pandemie sollte man Krankenhäuser momentan nur im Notfall aufsuchen.

Ich kann in meiner Ordination gerne versuchen, hier eine erste Einschätzung zu machen. Ultraschall der hirnversorgenden Gefäße und NLG sind vor Ort möglich. Wenn eine Krankenhauskontrolle wirklich notwendig ist, kann ich Sie weiter überweisen.

Damit wird das System entlastet und Ihr Infektionsrisiko gesenkt.

Für die Dauer der aktuellen Einschränkungen biete ich daher vergünstigte und verkürzte Termine an, für die Sie einen großen Teil der Kosten von der Krankenkasse rückerstattet bekommen sollten. Ein Termin über 30 Minuten kostet €50, wenn NLG oder Ultraschall notwendig sind, €80.

Ich bitte Sie zu beachten, dass dies nur für akut Probleme gilt! Dazu zählen vor allem Schmerzen, Schwindel und Taubheitsgefühle.

Termine können Sie wie gewohnt unter 01/402 22 22 oder ordination@neurostingl.at vereinbaren!


Letzte Aktualisierung: 5.4.2020